Präsentierten den gemeinsamen Aufruf „Gemeinsam Zukunft gestalten“ (v.l.): Christoph Pistorius, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, und Felix Genn, Bischof von Münster. Foto: Felder

Landeskirchen und Bistum Münster verpflichten sich zu mehr Ökumene


Die Evangelische Kirche von Westfalen, die Evangelische Kirche im Rheinland und das Bistum Münster haben sich zu einer weiteren Vertiefung der ökumenischen Zusammenarbeit verpflichtet.

"Wir wollen Ökumene als gemeinsamen Auftrag begreifen, unsere Sendung als Christen im Heute zu leben", erklären die beiden Landeskirchen und die Diözese Münster in einem Aufruf mit dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten", der nach einem ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag auf dem Domplatz von Münster vorgestellt und veröffentlicht wurde. "Konkret empfehlen wir, Formen der geistlichen Ökumene zu intensivieren und fest im Alltag der Gläubigen zu verankern", unterstrich der Bischof von Münster, Felix Genn. "Wo es sinnvoll und möglich ist, sollen Vereinbarungen über die gemeinsame Nutzung von Kirchen und Gemeindehäusern getroffen werden."

Genn fügte hinzu, auch die Abstimmung über pastorale Schwerpunkte vor Ort solle gesucht und inhaltliche Kooperationen sollten überall dort eingegangen werden, wo die Voraussetzungen dafür gegeben seien. "Konkret empfehlen wir auch, ökumenische Gemeindepartnerschaften abzuschließen", so Genn. Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, gab bekannt, dass die Unterzeichner des Aufrufs sich künftig regelmäßig über die Reformprozesse in ihren Kirchen austauschen und noch mehr voneinander lernen wollten. Auch sollten bei Synoden oder Bistumsforen und bei der Entwicklung von Stellungnahmen Einladungen an ökumenische Gäste ausgesprochen werden. "Konkret wollen wir die ökumenische Bildung auf allen Ebenen und in allen Bereichen verstärken, die konfessionelle Kooperation im Religionsunterricht intensivieren und unseren Glauben zunehmend gemeinsam in der Öffentlichkeit bezeugen", betonte Kurschus. Der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, hob hervor, dass die beiden Landeskirchen und das Bistum Münster die Bildung von Initiativen und Gruppen anregen und fördern wollten, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Auch solle eine enge Zusammenarbeit in der Flüchtlingsarbeit gesucht und der Austausch mit dem Judentum und dem Islam intensiv fortgesetzt werden. Wie die Verantwortlichen versicherten, sind alle Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) eingeladen, sich diesem Aufruf anzuschließen.

Zuvor hatten die beiden Landeskirchen, das Bistum Münster und die ACK Münster im Rahmen eines Freiluft-Gottesdienstes unter dem Motto "Zusammen wachsen" erstmals gemeinsam das Reformationsgedenken als Christusfest gefeiert. Dabei dankte Bischof Genn vor etwa 5000 Gottesdienstteilnehmern ausdrücklich für "die wahrhaft christlichen Gaben, die durch die Reformation in die Kirche gekommen sind". Präses Kurschus erinnerte dagegen daran, dass das Reformationsgedenken auch an Verachtung, Verletzung und Vorurteile sowie Trennung und leidvolle Erfahrungen, ja sogar Kriege unter den Christen denken lasse. In ihrer Predigt sagte sie, Christen könnten heutzutage ein Lied davon singen, was es bedeute, weniger zu werden und Macht, Gebäude, Personal und Gewissheiten zu verlieren. "Deshalb kommt es für die Kirchen darauf an, ihre Kräfte neu zu bündeln", erklärte Kurschus. "Mag sein, dass wir durch den Verlust neu verstehen lernen, wer wir sind und wozu wir da sind." Die Präses rief alle Christen dazu auf, zu einer immer tieferen ökumenischen Gemeinschaft zu werden. Gerd Felder

 
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