Rheine. Wie gehen wir mit unserer Erde um? Welche Auswirkungen hat unser Wirtschaften und Verbraucherverhalten auf Andere? Diese und viele andere Fragen standen im Mittelpunkt der Unternehmerbegegnung Initiative e.V. Regionalgruppe Münsterland in der VR-Bank Kreis Steinfurt eG in Rheine. „Wir müssen uralte Muster brechen, die Menschen mitnehmen und Widersprüche bedenken“, betonte der Unternehmensberater Michael Klöfkorn. Am Beispiel der Firma Bahlsen verdeutlichte er, wie verantwortungsvolle Ansätze aussehen können: In einem Projekt in Zusammen-arbeit mit dem WWF (World Wide Fund For Nature) bauen 1200 Kleinbauern in Indonesien und Malaysia Ölpalmen für die Palmölindustrie an. Sie werden darin geschult, ihr Palmöl nachhaltiger zu produzieren und umweltschonend anzubauen. „Die Grenzen des Wachstums sind erreicht“, unterstrich er. Die meisten Startups hätten das Thema Nachhaltigkeit durchbuchstabiert, berichtete der Referent. So produziere beispielsweise der „Saftladen St. Pauli“ in Hamburg Saft und Tee mit der Unterstützung der Zuckerbauern. Jedes Jahr fahren die Geschäfts-führer der Firma in die Anbau-regionen in Sri Lanka, aus denen die Rohwaren für die Produkte stammen. „Es geht um Haltung, wir brauchen mutige Unternehmer“, so Klöfkorns Plädoyer. Ruth Fislage, Leiterin der Unternehmens-kommunikation und PR der Firma appetito AG in Rheine, berichtete, dass das Unternehmen viele Verbraucherfragen zu seinen Produkten beantworten muss. „Die Ernährungsindustrie steht heute stark im Fokus der Öffentlichkeit“ meinte sie. „Nur wenn ich Vertrauen gegenüber den „stake-holdern“ aufbaue, schaffe ich den wirtschaftlichen Erfolg“ betonte sie. Das Unternehmen ist dem UN Global Compact (Ethik-Standard der Vereinten Nationen) beigetreten. Regelmäßig muss es zu den Themen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung Bericht erstatten. Zusätzlich entwickelte die Firma eine Nachhaltigkeitsstrategie und ein entsprechendes Programm. Dies benennt Verantwortliche des Unternehmens zu festgesetzten Aufgabenbereichen.

Nachhaltig Wirtschaften!?!


Unternehmerbegegnung Initiative Münsterland befasst sich mit unserer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen

RHEINE - Wie gehen wir mit unserer Erde um? Welche Auswirkungen hat unser Wirtschaften und Verbraucherverhalten auf Andere? Diese und viele andere Fragen standen im Mittelpunkt der Unternehmerbegegnung Initiative e.V. Regionalgruppe Münsterland in der VR-Bank Kreis Steinfurt eG in Rheine. "Wir müssen uralte Muster brechen, die Menschen mitnehmen und Widersprüche bedenken", betonte der Unternehmensberater Michael Klöfkorn. Am Beispiel der Firma Bahlsen verdeutlichte er, wie verantwortungsvolle Ansätze aussehen können: In einem Projekt in Zusammenarbeit mit dem WWF (World Wide Fund For Nature) bauen 1200 Kleinbauern in Indonesien und Malaysia Ölpalmen für die Palmölindustrie an. Sie werden darin geschult, ihr Palmöl nachhaltiger zu produzieren und umweltschonend anzubauen. "Die Grenzen des Wachstums sind erreicht", unterstrich er. Die meisten Startups hätten das Thema Nachhaltigkeit durchbuchstabiert, berichtete der Referent. So produziere beispielsweise der "Saftladen St. Pauli" in Hamburg Saft und Tee mit der Unterstützung der Zuckerbauern. Jedes Jahr fahren die Geschäftsführer der Firma in die Anbauregionen in Sri Lanka, aus denen die Rohwaren für die Produkte stammen. "Es geht um Haltung, wir brauchen mutige Unternehmer", so Klöfkorns Plädoyer. Ruth Fislage, Leiterin der Unternehmenskommunikation und PR der Firma appetito AG in Rheine, berichtete, dass das Unternehmen viele Verbraucherfragen zu seinen Produkten beantworten muss. "Die Ernährungsindustrie steht heute stark im Fokus der Öffentlichkeit" meinte sie. "Nur wenn ich Vertrauen gegenüber den "stakeholdern" aufbaue, schaffe ich den wirtschaftlichen Erfolg" betonte sie. Das Unternehmen ist dem UN Global Compact (Ethik-Standard der Vereinten Nationen) beigetreten. Regelmäßig muss es zu den Themen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung Bericht erstatten. Zusätzlich entwickelte die Firma eine Nachhaltigkeitsstrategie und ein entsprechendes Programm. Dies benennt Verantwortliche des Unternehmens zu festgesetzten Aufgabenbereichen.

Dass das Thema Nachhaltigkeit auch für die Forstwirtschaft ein wichtiges Thema ist, zeigte Henning Buss, Kammerdirektor der Fürst zu Bentheimschen Domänenkammer aus Steinfurt auf: "Nachhaltige Forstwirtschaft heißt für uns, unter Beachtung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedürfnisse von Umwelt und Gesellschaft angemessene Erträge zu erzielen". Dies sei nicht immer einfach, denn die Rendite liege bei höchstens 1 %. Es gebe Probleme mit dem Klimawandel und lange Produktionszeiten. Die Lebenszeit einer Eiche liege bei 200 Jahren. Busse weiter: "Wir liefern Naherholungsgebiete und sauberes Wasser ohne Nitrat. Doch dies wird uns leider nicht vergütet", beklagte Buss. Albert Rohlmann, stellvertretender Kreisverbands-Vorsitzender des Westfälischen Landwirtschaftsverbands und selbst aktiver Landwirt, informierte die Tagungsteilnehmer über die Nachhaltigkeitsoffensive des Verbands. Darin heißt es:" Wir müssen uns dort verändern wo unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beiträgt, dass Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden". "Uns ist es ein Anliegen, die Sorgen und Erwartungen der Verbraucher ernst zu nehmen", meint er. Doch: Inakzeptabel seien "militante Gruppen", die in die Ställe einbrechen und anschließend Filme veröffentlichen. Auch das Fehlverhalten einzelner Landwirtskollegen sei nicht zu tolerieren. Die Unversehrtheit der Tiere und der Pflanzenschutz seien den Landwirten ein wichtiges Anliegen. Doch:" Wir benötigen noch viel Forschungswissen, um Fragen zu klären wie beispielsweise auf das Schwänze-Kupieren bei Schweinen verzichtet werden kann. "Nachhaltigkeit ist für uns ein stetiger Prozess. Wir brauchen dazu die Wissenschaft und die technische Revolution", betonte Rohlmann. Björn Kiepe, Head of Agronomy Digital Farming bei der Bayer AG in Köln, berichtete von einem Paradigmenwechsel in der Pharmaindustrie:" Heute gilt das Motto: Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit. Uns geht es gut, wenn wir wenig Pflanzenschutz verkaufen". Die Digitalisierung habe Einzug in die Landwirtschaft gefunden. Dies werde die Landwirtschaft nachhaltig verändern, ähnlich wie das Smartphone. Es gehe jetzt darum, die Produktivität mit der Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Pflanzenschutz habe dazu beigetragen, dass 40 % des Ertrags von Landwirten gesichert sei. Am Beispiel der Firma pro pland in Münster machte Kiepe deutlich, dass Satellitendaten und Wetterparameter, die Wetterdaten von je 900 m Acker liefern, in der Planung der Bewirtschaftung sehr hilfreich sein können.

"Nachhaltigkeit ist zu einem Imagefaktor geworden" so Superintendent André Ost (Ev. Kirchenkreis Tecklenburg). Dabei hafte der Bedeutung von Nachhaltigkeit nichts zeitgeistig-flüchtiges an. Es gehe vielmehr dabei um das Beständige, Schützenswerte, das seinen Wert erhalten soll, damit es auch künftigen Generationen noch dienlich ist. "Suffizienz ist in diesem Zusammenhang ein interessanter Begriff", so Ost. Er steht in der Ökologie für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch. "Wann sind wir eigentlich zufrieden? Wann genügt uns das, was wir erreicht haben?" Es gehe um das gerechte Maß, um Selbstbegrenzung und eine heilsame Entschleunigung unserer Aktivitäten. "Wir brauchen eine Reserve des Ankommens, des Genügens und des Ausreichens in unserem Leben und unserer Gesellschaft" betonte Ost. Nachhaltigkeit liege in der Erkenntnis, dass wir manchmal krankhaft zu viel wollten. Sie liege auch in der Erkenntnis von Schuldkreisläufen im Hinblick auf Menschen in anderen Teilen der Welt oder auf die nächsten Generationen. Die Kreissynode des Kirchenkreises Tecklenburg habe im Sommer dieses Jahres eine Initiative mit dem Titel: "In gemeinsamer Verantwortung nachhaltig, fair und klimafreundlich handeln" in allen Einrichtungen und Kirchengemeinden auf den Weg gebracht. Gastgeber Jürgen Feistmann (General-bevollmächtigter der VR-Bank Kreis Steinfurt eG in Rheine) und Dr. Horst-Friedrich Kiepe (Vorstand der Unternehmerbegegnung INITIATIVE Deutschlandarbeit) freuten sich über das rege Interesse der Gäste. Die Veranstaltung wurde musikalisch vom Posaunen-chor Nordwalde gestaltet. Die engagierte Moderation der Veranstaltung mit anschließender Diskussion lag in den Händen von Dr. Waltraud Ruland, ständige Vertreterin des Direktors der Landwirtschaftskammer NRW.

 
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