Präses Annette Kurschus. Foto: EKvW

"Ich bete für alle, die unmittelbar betroffen sind."


Präses Annette Kurschus zur Amokfahrt in Münster

Aus buchstäblich heiterem Frühjahrshimmel legte es sich wie eine dunkle Wolke über die Menschen: Zuerst über diejenigen, die es in Münsters Altstadt hautnah miterlebt haben. Dann über diejenigen, die in Windeseile davon erfuhren. Plötzlich sind dort, wo man eben noch gemeinsam in der Sonne saß, Tote, schwer Verletzte, Schockierte. Menschen in Lebensgefahr, in Angst, in Trauer. Unzählige, die sofort helfen, sind da auch. Gott sei Dank.

Was hat den Menschen getrieben, der dieses zerstörerische Szenario auslöste und anschließend seinem Leben ein Ende setzte? Wozu sind Menschen fähig, immer und immer wieder? Wieder einmal tun sich unheimliche Abgründe auf.

Es bleibt tiefes Erschrecken. Es bleiben Fragen. Es bleibt Angst. Wir Christen haben gerade Ostern gefeiert. Den Sieg des Lebens über den Tod. Im Horizont der österlichen Hoffnung stellt sich manche Frage besonders quälend. Die Gewissheit, dass Gott für alle das Leben will, macht das Entsetzen über ein solches Geschehen umso tiefer. Und: Wir lassen nicht ab, uns an den lebendigen Gott zu wenden. Auch jetzt. Gerade jetzt. Ja, jetzt erst recht.

Ich richte mein Klagen und meine Fragen an ihn, den Lebendigen. Ich bete für alle, die unmittelbar betroffen sind. Ich bitte um Kraft für diejenigen, deren tätiger Einsatz für Leib und Seele jetzt bitter nötig ist. Und ich bitte für uns alle: Dass die Liebe uns hilft beizustehen, wo wir können. Dass die Angst uns nicht zu vorschnellen Verurteilungen verleitet. Dass die ungelösten Fragen uns nicht zu schädlichen Spekulationen verlocken. Dass das Unbegreifliche uns nicht in Hass und Verachtung treibt.

"Christus spricht: Was ihr nicht getan habt einem von diesen, das habt ihr mir auch nicht getan", heißt es im biblischen Lehrtext des gestrigen Tages. Das Umgekehrte gilt ebenso: "Was ihr getan habt einem von diesen, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25, 45.40)

 
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