Blick in die Zukunft – Landesjugendpfarrer Udo Bußmann (r.) trägt eine HoloLens und lässt sich von Thomas Langkabel (Microsoft Deutschland) die Funktionsweise der Brille erläutern. Die Microsoft HoloLens ist eine Mixed-Reality-Brille, die dem Benutzer erlaubt interaktive 3D-Projektionen in der direkten Umgebung zu betrachten. Foto: Quelle: Anja Lukas-Larsen (AfJ-EKvW)

Kirche muss sich mehr in digitale Wertediskussion einmischen


Fachtag des Amtes für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) setzt sich mit den Folgen einer zunehmend digitalen Welt auseinander.

SCHWERTE -  Wie wird die Zukunft Evangelischer Kinder- und Jugendarbeit aussehen? Mit dieser Frage im Hintergrund starteten 145 Teilnehmende am Dienstag (10.04.2018) in einen bundesweiten Fachtag mit dem Titel: "Digitalisierung - Fluch und Segen einer industriellen Revolution" in Haus Villigst. Das Amt für Jugendarbeit der EKvW hatte zu diesem Tag Experten und Akteure eingeladen, um die Veränderungen in der kirchlichen Jugendarbeit zu sondieren.

Mit der Aussage "Digitalisierung ist nicht nur eine brandneue Technik, sondern das Instrument einer gesellschaftlichen Transformation", eröffnete Thomas Langkabel den fachlichen Diskurs am Vormittag. Und Langkabel ist einer, der es wissen muss, denn er ist National Technology Officer von Microsoft Deutschland. Die Botschaft dahinter: Die Gesellschaft befindet sich in einem radikalen und nicht aufzuhaltenden Veränderungsprozess. Künstliche Intelligenz, persönliche Assistenten und 3D-Druck werden in allen Bereich des Lebens nachhaltige Veränderungen mit sich bringen. Wie genau aber die Spielregeln dabei aussehen sollen, das sei bislang viel zu wenig diskutiert worden. Er forderte: "Kirche muss sich deutlich lauter und konstruktiver als bislang darin einmischen, wie die Digitalisierung tatsächlich gestaltet werden soll."

Prof. Dr. Birger P. Priddat, Ökonom und Philosoph von der Universität Witten/Herdecke, bemängelte, dass Schule heute überwiegend die bloße Aneignung von Wissen lehre, aber nicht das Verstehen der Zusammenhänge. Wichtig sei es, zunehmend zu wissen, was der Mensch nicht mehr zu wissen braucht.

Einig waren sich die Experten darin, dass Digitalisierung das Versprechen auf permanenten Wandel ist und die Fähigkeit, sich in stetigen Veränderungen zurecht zu finden, eine zentrale Zukunftskompetenz sein wird. "Digitale Mündigkeit ist auch ein wichtiges Schlagwort. Die Evangelische Jugend muss sich auch im Bereich des Digitalen dafür einsetzen, ihre Kinder und Jugendlichen fit zu machen für das, was auf der Welt passiert", folgerte Peter Bednarz vom Amt für Jugendarbeit und Mitorganisator des Tages.

Ganz handfest konnten die Besucherinnen und Besucher des Fachtages aktuelle technische Entwicklungen auf einem medienpädagogischen Marktplatz testen. Von Virtuell Reality Darstellungen mit HoloLens und Oculus Rift bis zum Segensroboter aus Hessen-Nassau wurde betrachtet und ausprobiert. Anschließende Workshops vertieften Aspekte des vielseitigen Themas.

Abschließend resümierte Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche und Leiter des Amtes für Jugendarbeit: "Wir haben heute eine große Aufgabe bekommen. Zum einen müssen wir wieder neu gemeinsam unveränderliche Werte definieren und als Kirche deutlich dafür eintreten. Zum anderen müssen wir Kinder und Jugendliche unterstützen, vorbereitet zu sein, in einer Welt zu leben, die sich in kürzester Zeit stetig wandelt."

 
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