Superintendent Holger Erdmann leitete die digitale Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Münster

Gesellschaft und Strukturen im Blickpunkt - Digitale Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Münster


In einer digitalen Konferenz tagte jetzt die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Münster unter der Leitung von Superintendent Holger Erdmann.

Gesellschaftspolitische Themen sowie der Strukturprozess des Kirchenkreises standen dabei auf der Tagesordnung der 80 Mitglieder.

Mit großer Mehrheit votierten die Synodalen für den Beitritt des Kirchenkreises zum Bündnis United4Rescue, das aktiv Seenotrettung Geflüchteter auf dem Mittelmeer betreibt. Verbunden wurde diese Entscheidung mit dem Vorhaben, das Thema Seenotrettung durch Aktionen und Initiativen in der Öffentlichkeit wachzuhalten. Außerdem soll die Arbeit des Bündnisses mit einer jährlichen kreiskirchlichen Kollekte auch finanziell unterstützt werden.

In seinem Superintendentenbericht hob Holger Erdmann die hohe Bedeutung von Maßnahmen zur Prävention von Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung hervor. Die Synode beschloss, die Unterzeichnung einer Selbstverpflichtungserklärung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt zum Standard beim Abschluss von Arbeitsverträgen zu erheben. Alle bestehenden Arbeitsverträge sollen um die Selbstverpflichtungserklärung ergänzt werden, ebenso werden alle Pfarrpersonen sowie ehrenamtlich Mitarbeitende die Erklärung unterzeichnen. Diese Maßnahme ist einer der Bausteine einer umfassenden Präventionsstrategie, in deren Rahmen u.a. in allen Gemeinden und Einrichtungen Schutzkonzepte entwickelt sowie Schulungen durchgeführt werden. "Durch diesen Standard, den wir etablieren, ist das Thema regelmäßig im Bewusstsein und setzt bereits bei Dienstbeginn ein deutliches Signal, dass der Kindesschutz im Blick ist: Beginnend bei dem persönlichen grenzachtendem Umgang und endend bei dem Bewusstsein ggf. Externe hinzuzuziehen", betonte Bjarne Torwesten, Mitglied des Vorstandes des Kirchenkreises, in seiner Einbringung zum Thema.

Große Betroffenheit rief der Bericht hervor, dass Dan Balucio, Pastor des Partnerkirchenkreises South Bicol Conference auf den Philippinen unter dem Vorwand des Terrorverdachtes inhaftiert worden sei. Balucio gehört zu den Begründern der Kirchenkreispartnerschaft und war mit offiziellen Delegationen und Jugendgruppen dreimal zu Gast in Münster. Bei seinem Engagement für die Menschrechte hat er sich immer gegen jede Form von Gewalt ausgesprochen.

Pfarrer Martin Mustroph, Vorsitzender des Ausschusses Mission/Eine Welt, brachte eine Erklärung ein, die sich die Synode zu eigen machte. In ihr verurteilt der Evangelische Kirchenkreis Münster die Inhaftierung aufs Schärfste und fordert die Regierung der Philippinen u.a. dazu auf, Pastor Dan Balucio sofort frei- und die Anklage gegen ihn fallen zu lassen, den "Nationalen Kirchenrat der Philippinen in der Liste der "kommunistischen Terrorgruppen" zu streichen und alle Einschüchterungen, Drohungen und Gewalttaten gegenüber Menschenrechtsvertreter*innen und Kirchenmitarbeitenden sofort einzustellen.

Hinsichtlich der Beratungen des Strukturprozesses, in dem sich der Kirchenkreis befindet, betonte Superintendent Holger Erdmann es als alternativlos, die finanziellen und personellen Realitäten, die auf die evangelische Kirche zukommen, ernst zu nehmen und so früh und umfassend wie möglich umzusteuern. Vorgelegt hatte der Strukturausschuss bereits im vergangenen Jahr den Vorschlag der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden in größeren Räumen, die Einrichtung von interprofessionellen Teams von Pfarrer*innen, Gemeindepädagog*innen und Gemeindemanager*innen, und damit personelles und finanzielles Zusammenarbeiten in neuen Verbünden. Das dabei in den letzten Monaten deutlich gewordene Bedürfnis, mit mehr zeitlichem Vorlauf zu planen, wurde von der Synode aufgenommen. Endgültige Entscheidungen wurden auf das kommende Jahr verschoben, um in zusätzlich eingerichteten Arbeitsgruppen die Vorschläge des Strukturausschusses zu vertiefen und zudem alternative Denkmodelle zu ermöglichen.

Die Synode beschloss weiterhin ein Konzept zur Gesundheitsförderung für Ehrenamtliche, das den Kirchengemeinden und Einrichtungen konkrete gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Umsetzung empfiehlt. Der Evangelische Kirchenkreis Münster ist damit der erste Kirchenkreis, der ein solches üblicherweise für hauptamtliche Mitarbeiter*innen eingesetztes Konzept auf den Ehrenamtsbereich überträgt.

Gewählt wurden als Synodalbeauftragte für Gesellschaftliche Verantwortung und Friedensfragen Gudrun Schlaphorst, als Synodalbeauftragte für die Gefängnisseelsorge Pfarrerin Barbara Wewel, die zudem in den Ausschuss für Seelsorge und Beratung berufen wurde. Als neue Mitglied des Strukturausschusses wurden Dr. Heike Plaß und Gerd Herrera benannt.

Kathrin Neuhaus-Dechow

 
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