Foto: Ulrike von Brevern

Neues Leben in der Heilig-Geist-Kirche in Beelen


Nach langem Ringen hat die Gemeinde Warendorf einen Investor für die entwidmete Kirchen gefunden. Eine ungewöhnliche Erfolgsstory.

Gemeindeglieder und Nachbarn der Heilig-Geist-Kirche in Beelen warteten nervös gespannt auf den Kirchenbänken, dass die eigens einberufene Gemeindeversammlung losgeht. Was wird aus der kleinen Kirche? "Was bedeutet die "Nachnutzung", die ihnen gleich vorgestellt werden soll? Am Ende steht eine "sehr große Erleichterung", so wird es Birgit Farwick für die Zuhörer formulieren, und auch Kirchmeister Martin Müller wird bekennen "Wir sind sehr froh dass es zu dieser Lösung gekommen ist. Mit Wirkung zum 1. Januar 2019 ist die Kirche verkauft, das Grundstück wird der Gemeinde Erbpachteinnahmen bescheren. Erstaunlich dabei: Eigentlich soll danach alles so oder so ähnlich bleiben wie es ist. Nur lebendiger.

Schon vor der endgültigen Entwidmung 2015 hatte die Gemeinde heftig um die Zukunft der kleinen Kirche gerungen: Auf der einen Seite standen wie so oft hohe laufende Kosten, ein ansehnlicher Reparaturstau und eine eher geringe Auslastung. Auf der anderen die emotionale Verbundenheit vieler aktiver Gemeindeglieder zu der 1958 geweihten Kirche und ihr besonderer Charakter.

Nach der Entwidmung ging das Ringen weiter. Es gab viele Ideen, aber keine war zu realisieren. Unterdessen lebte ein junger Syrer hier monatelang in Kirchenasyl, das für ihn später günstig ausging. In jüngster Zeit diente die Kirche als Möbellager für die Flüchtlingshilfe. Ein Erhalt aber schien in so unerreichbare Ferne gerückt, dass beim Kreis ein Antrag auf Rückbau eingereicht wurde.

"Noch eine Kirche rückbauen? Nee!", so fasste Kirchmeister Martin Müller die verzweifelte Stimmung im Presbyterium zusammen. Schließlich hat die Gemeinde in dieser Beziehung schon Erfahrungen gesammelt. In Westkirchen ist Gelände der ehemaligen Jakobus-Kirche inzwischen komplett überplant, jede Spur verwischt. Immer wieder kam das Thema auch auf Drängen des Ortspresbyters Hans-Jürgen Klein auf die Tagesordnung.

Nun kam die Lösung mit Gerd Meimann mehr oder weniger aus den eigenen Reihen. Der Inhaber eines Immobilienbüros ist Gemeindeglied und hat das Gebäude kurzerhand gekauft. Vertraglich hat er zugesichert, die Gebäudehülle zu erhalten, aber "der gute Wille ist da, alles zu erhalten", versichert Pfarrer Behring. Dafür bekommt er aus den Reihen der Gemeinde Applaus. Auf jeden Fall soll der Innenraum sein Gepräge behalten; Altar, Kreuz Fenster und Orgel bleiben, kündigt Behring an.

Aber was geschieht dann mit so einem Haus? "Ich habe das hier nicht unter Rentabilitätsgesichtspunkten gekauft, aber es muss sich natürlich tragen", sagt Meimann. Er hat konkrete Anfragen: eine Yoga-Schule könnte sich einmieten und auch Seminaranbietern möchte er die Räume schmackhaft machen - natürlich erst nachdem auch der Reparaturstau behoben ist. Den Rest wird die Zeit bringen, zeigt er sich überzeugt; schließlich hat er Erfahrung in dem Bereich.

Selbst eine der drei Glocken wird wieder im Turm arbeiten. Parallel zum katholischen Angelusläuten soll sie schon bald wieder dreimal täglich kurz erklingen, kündigte Pfarrer Behring an. Die beiden anderen Glocken werden an eine Gemeinde in Mecklenburg verschenkt.

Meimann kann sich die Kirche auch als Veranstaltungsraum vorstellen, allerdings: "Halli-Galli wird es hier nicht geben", versicherte er den Nachbarn - eher Seniorenkaffee oder Kinderbasteln. Wenn er dann bei den Jüngsten im Einzelfall auch mal auf Mieteinnahmen verzichte, würde das seinem Motto "Man muss erst sähen, ehe man ernten kann" entgegen kommen, schmunzelt er so kurz vor Erntedank.   Ulrike von Brevern

 
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