Ökumenisches Friedensgebet im Dom mit (v.l.) dem katholischen Stadtdechanten Jörg Hagemann, Superintendent Ulf Schlien, Dompropst Kurt Schulte und Joachim Riemann, stellvertretender Vorsitzender der ACK Münster.

„Die Gleichgültigkeit muss ein Ende haben“


Mit einem ökumenischen Friedensgebet haben die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), der Evangelische Kirchenkreis Münster, das Bistum Münster und das katholische Stadtdekanat im St. Paulus-Dom des schweren Bombenangriffs vom 10. Oktober 1943 gedacht.

"Es war ein sonnig-warmer Tag wie heute, als der Bombenkrieg hier in eine neue Dimension eintrat", betonte Superintendent Ulf Schlien in seiner Predigt. "Dieser erste Tagesangriff überhaupt galt dem Stadtzentrum, das nach der Bombardierung einem Trümmerfeld glich. Zeitzeugen sprechen vom Untergang des alten Münster." Doch es gehe nicht nur um das alte Münster, sondern vor allem um die Menschen, das Grauen und ihren Schmerz, so Schlien. Der Superintendent feierte den Gottesdienst zusammen mit Dompropst Kurt Schulte, dem katholischen Stadtdechanten Jörg Hagemann und dem stellvertretenden Vorsitzenden der ACK Münster, Joachim Riemann (Hiltrup).

Am 10. Oktober 1943 wurden mehr als 20 000 Bomben auf Münster abgeworfen; 670 Menschen starben. Schlien hob in seiner Predigt hervor, dass das Flächenbombardement und die menschenverachtende Gewalt für die sich immer schneller drehende Spirale der Eskalation des Krieges stünden, bei der es für mahnende Stimmen kein Gehör mehr gegeben habe. "Das sind traumatische Ereignisse, die tiefe Spuren hinterlassen haben und bewusst oder unbewusst an die nächste Generation weitergegeben worden sind", gab der Superintendent zu bedenken. "Das ist ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten und ein Tag des Nachdenkens über unsere Geschichte." Dass die Münsteraner als Europäer, die Versöhnung erfahren hätten, und bunt gemischte Gesellschaft, in der das Zusammenleben ganz verschiedener Menschen möglich sei, zurückschauen könnten, mache Hoffnung auf Frieden. "Es zeigt aber auch, wie vergesslich und leichtsinnig wir sind", mahnte der Superintendent, "besonders dann, wenn Staaten sich in blankem Nationalismus verlieren, alte Konflikte neu geschürt werden und Bomben wieder als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln betrachtet werden." Viel zu oft werde das als selbstverständlich genommen, was brüchig und gefährdet sei. Die Erinnerung aber vertreibe den falschen Schein und lege die Schrecklichkeit des Krieges offen. "Sie verpflichtet, unseren Segen nicht wieder leichtfertig zu verspielen, sondern an unsere Kinder weiterzugeben", forderte Schlien. Um das "Sterben für" habe es einst viel falsches Pathos gegeben, was bedrängend in Erinnerung bleiben müsse. Heute müsse es dagegen um das Leben für den Frieden und die Familie gehen. Der Evangelist Johannes spiele mit dem Denken der maßlosen Selbstüberschätzung, die in die Katastrophe führen müsse. Er zeige, wie das Kreuz sich vom Marterwerkzeug in ein Zeichen der Hoffnung verwandle und für das Aushalten in der Kraft Gottes stehe, das neuen Lebensmut stifte. "Das Eintreten für Frieden und Versöhnung ist nicht ohne Erinnerung an den Abgrund menschlicher Bosheit möglich", erklärte Schlien. "Die Gleichgültigkeit soll ein Ende haben. Keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Unrecht bei uns und anderen, keine Gleichgültigkeit gegenüber der Spaltung der Welt in Reich und Arm und gegenüber der Missachtung der Fremden." Für Gerechtigkeit einzutreten sowie den Frieden zu wahren, zu fördern und zu erneuern, müsse für Christen eine Pflicht sein.

In den Fürbitten beteten Vertreter der ACK um einen guten und friedvollen Geist und darum, in der Gesellschaft von einem "Uns" und "Euch" zu einem echten "Wir" zu kommen. "Wir weigern uns, Feinde zu sein", unterstrich Stadtdechant Jörg Hagemann. Hoch stieg die Weihrauchwolke auf, als alle Teilnehmer am Friedensgebet die Möglichkeit hatten, Weihrauchkörner auf glühende Kohlen zu legen. Gerd Felder

 
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