Festakt mit Präses Annette Kurschus (3.v.l.) sowie Pfarrer Jean-Gottfried Mutombo, Pfarrer Martin Mustroph (Münster), Katja Breyer, Nene Morisho und Christoph Strässer (v.l.n.r). Foto: Dirk Johnen/Amt für MÖWe

60 Jahre Brot für die Welt: Hunger nach Gerechtigkeit


Mit Musik, Tanz und Talk hat das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" sein 60-jähriges Bestehen in Westfalen in Münster gefeiert.

Zu der Festveranstaltung unter dem Thema "Hunger nach Gerechtigkeit" waren am Freitagabend mehr als 300 Gäste in die Erlöserkirche gekommen. Sie konnten bildhaft und in vielen Gesprächen mit prominenten Gästen, Experten und einer Schülergruppe erfahren, wie sich Brot für die Welt seit sechs Jahrzehnten engagiert, damit Menschen vor allem im Süden nicht in Armut leben und hungern müssen. Die neue Sammelaktion ist traditionell am ersten Advent gestartet - ihr Motto lautet: "Hunger nach Gerechtigkeit".

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, betonte, in den 60 Jahren Arbeit von Brot für die Welt habe sich im Verständnis der Hilfe viel verändert: "Wir sind weit weg von der Sicht des Menschen als Mildtätigkeitsempfänger." Der Hunger nach Brot sei heute auch verbunden mit Hunger nach Teilhabe, nach Bildung, nach Würde. Offen gestand die Präses, die in einem Pfarrhaus aufwuchs, dass sie später als junge Pfarrerin einem bettelnden Mann 50 D-Mark gegeben habe als sie kein Kleingeld parat hatte. Danach seien ihr Zweifel gekommen, ob dies richtig gewesen sei. Abends sei der Mann zurückgekommen, um ihr einen Blumenstrauß zu schenken, den er auch von dem Geld gekauft hätte. Dieser Wunsch des Menschen, auch etwas geben zu können und Würde zu zeigen, habe sie sehr beeindruckt.

Brot teilen heiße auch, Perspektiven aufzuzeigen und Zukunft zu teilen, wie Pfarrer Jean-Gottfried Mutombo vom landeskirchlichen Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung/MÖWe und Nene Morisho, Direktor des Pole Institus in Goma, erläuterten. Beide schilderten, wie in ihrem Heimatland - der DR Kongo - Rohstoffe für Mobilfunkgeräte oder E-Autos unter brutalen und erbärmlichen Bedingungen abgebaut werden: Kinder müssten in Minen schuften, um nach Kobalt und Coltan zu schürfen. Obwohl alle Familienmitglieder in Minen arbeiteten, reiche das Einkommen nicht aus. Der Gewinn aus diesen Rohstoffen gehe meist an Firmen im Ausland, Regierungsbeamte oder bewaffnete Gruppen. "Letztere setzen auch Kinder als Soldaten ein."

Mutombo und Morisho warben dafür, alte Mobilfunkgeräte der Handy-Aktion NRW (https://handyaktion-nrw.de/) zu spenden, damit wertvolle Rohrstoffe wie Kupfer oder Gold wieder verwertet werden und so auch weniger Rohstoffe abgebaut werden müssen. "Jedes Handy ist eine Schatzkiste" mit rund 60 Rohstoffen und 30 Edel-metallen, sagte Mutombo. Mit dem Erlös der Sammelaktion wird auch das Brot für die Welt-Projekt "Gitarren statt Gewehre" in der DR Kongo unterstützt. Hier erhalten ehemalige Kindersoldaten eine Zukunft beispielsweise durch eine Ausbildung im Gitarrenbau.

Ein Plädoyer für eine gesetzliche Unternehmensverantwortung hielt der ehemalige Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer. Es gebe keine guten Argumente, ein sogenanntes Lieferkettengesetz nicht auf den Weg zu bringen. Damit würden Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Verantwortung für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Umweltstandards zu tragen, etwas beim Abbau von Rohstoffen, sagte der SPD-Politiker. Der Staat müsse dafür sorgen, dass Menschenrechte eingehalten werden. Strässer beklagte, dass ein deutsches Textilunternehmen nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnte für den Tod von mehr als 200 Menschen wegen mangelhaften Brandschutzes in einer pakistanischen Fabrik. Der "Initiative Lieferkettengesetz" und Brot für die Welt dankte er für ihren Einsatz für mehr Gerechtigkeit. "Wir haben nur eine Welt, die Platz für alle Menschen bietet und die sie auch versorgen kann", betonte Strässer.

Den Festakt hatten Katja Breyer, Beauftragte für Brot für die Welt in Westfalen, und Pfarrer Martin Mustoph, Synodalbeauftragter für "Mission - Eine Welt" des Evangelischen Kirchenkreises Münster, vorbereitet. Das Abendprogramm moderierte der TV-Journalist und Musiker Martin Buchholz. Schülerinnen und Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums berichteten über ihre Erfahrungen während eines Austauschs mit philippinischen Jugendlichen. Die Partnerschaft der Schule wird auch von Brot für die Welt im Rahmen der Inlandsförderung aus Kirchensteuermitteln unterstützt. Der Kirchenkreis Münster ist mit dem philippinischen Kirchenbezirk South Wicol partnerschaftlich verbunden. Für musikalische Unterhaltung trugen auch der Unity-Chor der ESG Münster und die deutsch-philippinische Jugendgruppe "barkadas" im Kirchenkreis Münster bei. Diese ist aus der Partnerschaft des Kirchenkreises mit der South Bicol Conference auf den Philippinen hervorgegangen.

Info:
Das evangelische Hilfswerk unterstützt inzwischen rund 1.500 Projekte in fast 100 Ländern. Es war 1959 in Berlin gegründet worden, nachdem eine zunächst einmalige Sammelaktion für eine Hungerkatastrophe in Indien großen Erfolg hatte. Damals kamen 19 Millionen D-Mark zusammen. Neben Spenden und Kollekten erhält das Hilfswerk staatliche Mittel und Kirchensteuern. Im vergangenen Jahr gingen 4,68 Millionen Euro an Spenden- und Kollektenmitteln aus Westfalen an Brot für die Welt. Die Arbeit wird im Amt für MÖWe der Evangelischen Kirche von Westfalen koordiniert. Kontakt: Katja Breyer, katja.breyer@moewe-westfalen.de , Tel.. 0231 5409-73.

Internet: www.brot-für-die-welt.de

 
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